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Barrierefreies Bad

Bodengleiche Dusche nachrüsten: Machbarkeit, Technik und Ablauf

20. Februar 20269 Min. Lesezeit

Die entscheidende Frage: Geht das bei mir?

Viele denken, eine bodengleiche Dusche sei nur im Neubau möglich. Das stimmt nicht. In den meisten Bestandsgebäuden lässt sich eine ebenerdige Dusche nachrüsten — manchmal einfach, manchmal mit Speziallösungen. Ob es bei Ihnen geht und was es kostet, hängt von einem Faktor ab: der Aufbauhöhe Ihres Bodens.

Aufbauhöhe: Der Schlüsselfaktor

Die Aufbauhöhe ist der Abstand zwischen der rohen Betondecke und der Oberfläche Ihres Fertigfußbodens. In diesem Raum müssen Ablaufrohr, Gefälle und Estrich untergebracht werden.

Ab 15 cm Aufbauhöhe: Standard-Einbau

Gute Nachrichten — ein konventioneller Punktablauf passt problemlos. Das ist die günstigste und einfachste Variante.

Typisch bei: Neubauten, Häuser ab den 1970er-Jahren, Erdgeschosswohnungen mit Kellerdecke.

Kosten: 2.000 – 3.500 Euro

8 – 12 cm Aufbauhöhe: Flachablauf-Systeme

Es wird enger, aber es gibt Lösungen. Flache Duschrinnen oder spezielle Duschelemente mit integriertem Gefälle funktionieren ab etwa 8 cm Einbauhöhe.

Typisch bei: Altbauten der 1950er bis 1970er-Jahre.

Kosten: 3.500 – 5.500 Euro

Unter 8 cm Aufbauhöhe: Pumpe oder Podest

Bei sehr wenig Platz gibt es zwei Wege:

Pumpensystem (z. B. PLANCOFIX): Eine flache Bodenablaufpumpe hebt das Duschwasser aktiv zur Abwasserleitung — funktioniert ab 3,8 cm Aufbauhöhe. Die Pumpe arbeitet leise und verbraucht wenig Strom, muss aber alle paar Jahre gewartet werden.

Erhöhtes Duschpodest: Der Duschbereich wird um einige Zentimeter angehoben. Das löst das Ablauf-Problem, schafft aber eine kleine Stufe — das widerspricht dem Ziel der Barrierefreiheit und ist nur als Kompromisslösung sinnvoll.

Kosten Pumpensystem: 5.500 – 8.000 Euro

So messen Sie die Aufbauhöhe

Sie können die Aufbauhöhe nicht einfach ablesen — sie steckt im Boden. Lassen Sie einen Fachbetrieb vor Ort prüfen. Manchmal kann man an einer Stelle den Belag öffnen (z. B. an einem Revisionsschacht oder unter einer losen Fliese), um den tatsächlichen Aufbau zu sehen.

Tipp: Fragen Sie den Fachbetrieb schon beim ersten Besichtigungstermin, ob die Aufbauhöhe geprüft wurde. Manche Betriebe vergessen das und der „Überraschungseffekt" kommt erst beim Rückbau.

Sonderfall: Holzbalkendecke im Altbau

Altbauten mit Holzbalkendecken (typisch in Gebäuden vor 1950) stellen eine besondere Herausforderung dar. Holz und Wasser vertragen sich nicht — klassische Abdichtungsmethoden funktionieren hier nicht zuverlässig.

Die Lösung: Spezielle Duschelemente aus wasserdichtem Hartschaum, die zwischen die Holzbalken eingesetzt werden. Hersteller wie Wedi bieten Systeme mit nur 23 – 25 mm Aufbauhöhe an, die speziell für Holzbalkendecken entwickelt wurden.

Einbau: Dielen im Duschbereich werden entfernt, eine Trägerplatte wird planeben zwischen die Balken gesetzt, das werkseitig vorgefertigte Gefälle garantiert den Wasserablauf. Der Kern aus Hartschaum ist zu 100 % wasserdicht.

Kosten: 4.500 – 7.000 Euro

Ablaufsysteme im Vergleich

Die Wahl des Ablaufsystems bestimmt Einbauhöhe, Optik und Preis. Hier die vier gängigen Varianten:

Punktablauf (konventionell)

Der Klassiker: Ein Ablauf sittig im Boden, der Boden fällt von allen Seiten dorthin ab.

  • Einbauhöhe: 12 – 15 cm
  • Vorteile: Günstig (100 – 200 Euro), bewährt, zuverlässig
  • Nachteile: Mehrfachgefälle macht Verfliesung komplexer, nicht geeignet für großformatige Fliesen
  • Geeignet für: Neubauten, genug Aufbauhöhe

Duschrinne (Linienablauf)

Eine schmale Rinne, meist an der Wand montiert. Der Boden fällt nur in eine Richtung.

  • Einbauhöhe: 8 – 12 cm (Spezialmodelle ab 2 cm)
  • Vorteile: Modernes Design, einseitiges Gefälle = einfachere Verfliesung, großformatige Fliesen möglich, schneller Wasserablauf
  • Nachteile: Teurer (300 – 800 Euro), Reinigung etwas aufwendiger
  • Geeignet für: Altbauten mit begrenzter Aufbauhöhe, moderne Bäder

Wandablauf

Der Ablauf sitzt in der Wand statt im Boden. Optisch am unauffälligsten.

  • Einbauhöhe: 6 – 10 cm
  • Vorteile: Platzsparend, kein sichtbarer Rost am Boden, durchgehende Fliesen möglich
  • Nachteile: Präzise Planung nötig, nicht in jeder Wand möglich, teuer (500 – 1.200 Euro)
  • Geeignet für: Design-orientierte Bäder, Renovierungen

Pumpensystem

Für Extremfälle: Eine Bodenablaufpumpe hebt das Wasser aktiv an.

  • Einbauhöhe: Ab 3,8 cm
  • Vorteile: Funktioniert auch bei minimaler Aufbauhöhe, kann Wasser „bergauf" pumpen
  • Nachteile: Stromverbrauch, Wartung nötig, teuer (1.500 – 2.500 Euro nur Pumpe)
  • Geeignet für: Altbau mit weniger als 8 cm Aufbauhöhe, Kellerbäder

Abdichtung: Das Wichtigste am ganzen Umbau

Eine bodengleiche Dusche hat keine Duschwanne, die das Wasser auffängt. Stattdessen muss der gesamte Boden- und Wandbereich zuverlässig abgedichtet werden. Das klingt banal, ist aber der häufigste und folgenschwerste Fehler beim Einbau.

Was passiert bei mangelhafter Abdichtung

Wasser dringt durch Fliesen und Fugen in den Estrich und die Rohdecke. Über Monate und Jahre entsteht Schimmel in der Konstruktion — oft unsichtbar, bis Flecken an der Decke des Nachbarn darunter erscheinen oder es modrig riecht. Die Sanierung solcher Schäden kostet 10.000 bis 50.000 Euro.

DIN 18534: Die verbindliche Norm

Die DIN 18534 regelt die Abdichtung in Innenräumen. Für bodengleiche Duschen gilt die Wasserbelastungsklasse W2-I — das bedeutet häufiger Wasseraufstau ist zu erwarten.

Was die Norm verlangt:

  • Abdichtung auf dem gesamten Badezimmerboden (nicht nur im Duschbereich!)
  • Abdichtung an Wänden mindestens 20 cm über den Spritzwasserbereich, in der Praxis besser bis 150 – 200 cm Höhe
  • Dichtbänder in allen Ecken und Übergängen Boden-Wand
  • Dichtmanschetten um Rohrdurchführungen
  • Mindest-Trockenschichtdicke je nach Material (z. B. 2 mm bei mineralischer Dichtschlämme)

Warum Sie das nicht selbst machen sollten

Fliesen kann ein ambitionierter Heimwerker verlegen. Abdichtung nicht. Die Gründe:

  1. Gewährleistung: Ein Fachbetrieb haftet für Schäden (5 Jahre auf Bauwerk). Bei DIY zahlt keine Versicherung.
  2. Komplexität: Jede Ecke, jeder Rohranschluss, jede Fuge muss perfekt abgedichtet sein. Ein winziges Loch reicht für einen großen Schaden.
  3. Material-Know-how: Welches System für welchen Untergrund? Flüssige Dichtschlämme, Reaktionsharz oder Bahnenabdichtung? Der Fachmann weiß es, der Laie rät.

Die 1.500 – 3.000 Euro für professionelle Abdichtung sind die wichtigste Investition im gesamten Umbau.

Rutschfeste Fliesen: Welcher R-Wert?

Ohne Duschwanne stehen Sie direkt auf den Fliesen. Die müssen rutschfest sein — auch nass, auch mit Seifenresten.

R-Werte verstehen

Die R-Werte nach DIN 51130 messen die Rutschhemmung auf einer schiefen Ebene:

KlasseEignung
R9Trockene Räume — nicht fürs Bad
R10Bad allgemein (außerhalb Dusche)
R11Duschbereich — empfohlen
R12/R13Gewerbliche Nassbereiche

Für den Duschbereich empfehlen Fachverbände wie die Aktion Barrierefreies Bad mindestens R11 in Kombination mit der Barfuß-Bewertungsgruppe B (nach DIN 51097).

Optisch attraktive R11-Fliesen

R11 bedeutet nicht „raue Oberfläche". Moderne Feinsteinzeug-Fliesen mit mikro-rauer Struktur sehen glatt aus und fühlen sich angenehm an, bieten aber guten Halt. Fordern Sie beim Fliesenhändler Muster an und testen Sie sie barfuß auf nasser Oberfläche.

Schallschutz: Wichtig im Mehrfamilienhaus

Wenn unter Ihrem Bad eine fremde Wohnung liegt, wird Schallschutz zum Thema. Fließgeräusche und Wasserrauschen übertragen sich als Körperschall durch die Decke.

Maßnahmen:

  • Schallgedämmte Ablaufsysteme verwenden
  • Abwasserrohre mit Dämmmaterial ummanteln
  • Entkoppelte Montagefüße beim Duschelement
  • Keine Schallbrücken zwischen Estrich und Wand

Die DIN 4109 erlaubt maximal 30 dB Funktionsgeräusche in benachbarten Wohnungen. Bei mangelhaftem Schallschutz drohen Nachbarschaftskonflikte oder sogar ein Rückbau auf eigene Kosten.

Genehmigungen: Was Sie beachten müssen

Im Eigenheim

Für eine reine Badmodernisierung brauchen Sie in der Regel keine Baugenehmigung. Wenn Wände versetzt oder tragende Elemente verändert werden, sollten Sie einen Statiker hinzuziehen.

In der Mietwohnung

Sie brauchen die schriftliche Zustimmung Ihres Vermieters — vor Beginn. Bei anerkannter Pflegebedürftigkeit oder Schwerbehinderung muss der Vermieter in der Regel zustimmen, kann aber den Rückbau bei Auszug verlangen.

In der Eigentumswohnung

Arbeiten innerhalb Ihrer Wohnung: keine Zustimmung nötig. Eingriffe ins Gemeinschaftseigentum (z. B. Kernbohrung durch die Kellerdecke): Zustimmung der Eigentümerversammlung erforderlich.

Der typische Ablauf: Was passiert Tag für Tag

Tag 1: Demontage und Vorbereitung

Alte Dusche oder Badewanne wird entfernt, Fliesen im Duschbereich abgeschlagen. Der Estrich wird geöffnet, um Platz für das Duschelement zu schaffen. Abwasserleitungen werden angepasst.

Erwarten Sie: Lärm, Staub, kein nutzbares Bad.

Tag 2: Installation des Duschelements

Das Duschelement wird eingesetzt und exakt ausgerichtet. Der Ablauf wird an das Abwasserrohr angeschlossen und auf Dichtheit geprüft. Hohlräume werden mit Estrich aufgefüllt.

Tag 3: Abdichtung

Grundierung, Dichtbänder in Ecken und Übergängen, zwei Schichten Flüssigabdichtung. Zwischen den Schichten muss jeweils getrocknet werden. Am Ende: Dichtheitsprüfung (Fluttest).

Tag 4 – 5: Fliesen und Fugen

R11-Fliesen werden verlegt, Gefälle wird laufend kontrolliert. Nach dem Trocknen des Fliesenklebers (24 – 48 Stunden) wird verfugt. An Übergängen Fliese-Wand: Sanitär-Silikon (schimmelresistent).

Tag 5 – 6: Fertigstellung und Abnahme

Reinigung, Funktionstest, gemeinsame Abnahme mit dem Handwerker. Protokollieren Sie eventuelle Mängel schriftlich.

Gesamtdauer

SituationDauer bis zur Nutzung
Reine Duschsanierung (ohne neuen Estrich)5 – 7 Werktage
Mit neuem Estrich4 – 7 Wochen (Trocknungszeit!)
Komplette Badsanierung2 – 4 Wochen Arbeitszeit

Wichtig: Arbeitszeit ist nicht gleich Gesamtzeit. Estrich braucht 3 – 6 Wochen zum Trocknen. Mit Schnellestrich verkürzt sich das auf 1 – 2 Wochen (Aufpreis).

Die 5 häufigsten Fehler — und wie Sie sie vermeiden

1. Aufbauhöhe nicht geprüft

Lassen Sie die Aufbauhöhe vor der Angebotsannahme messen. Überraschungen beim Rückbau sind teuer.

2. An der Abdichtung gespart

Bestehen Sie auf Abdichtung nach DIN 18534 und lassen Sie sich das vertraglich zusichern. Lassen Sie den Handwerker den Prozess fotografieren — als Beweis für den Fall späterer Schäden.

3. Falsche Fliesen im Duschbereich

R9 oder R10 reichen im Duschbereich nicht. Bestehen Sie auf R11 und lassen Sie sich den R-Wert auf der Verpackung zeigen.

4. Trocknungszeiten ignoriert

Planen Sie realistisch. Fragen Sie den Handwerker explizit: „Wann kann ich das Bad wieder nutzen?" — und rechnen Sie einen Puffer dazu.

5. Billigstes Angebot genommen

Ein Angebot, das 50 % unter dem Durchschnitt liegt, spart an Material oder Abdichtung. Das rächt sich. Wählen Sie ein mittleres Angebot von einem Betrieb mit guten Referenzen.

Checkliste vor der Beauftragung

  • Aufbauhöhe geprüft?
  • Bodenaufbau bekannt (Betondecke, Holzbalkendecke)?
  • Ablaufsystem gewählt (Punktablauf, Duschrinne, Pumpe)?
  • Mindestens 3 Angebote eingeholt?
  • Abdichtung nach DIN 18534 im Angebot spezifiziert?
  • R-Wert der Fliesen festgelegt (R11)?
  • Zeitplan realistisch (inkl. Trocknungszeiten)?
  • Alternative Duschmöglichkeit organisiert?
  • Förderung beantragt (vor Beauftragung)?

Nächste Schritte

  1. Prüfen Sie Ihre Fördermöglichkeiten — den Antrag müssen Sie vor dem Umbau stellen
  2. Lesen Sie unsere Kosten-Übersicht, um Ihr Budget realistisch einzuplanen
  3. Finden Sie spezialisierte Fachbetriebe in Ihrer Nähe

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