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Barrierefreie Küche

Barrierefreie Küche 2026: Kosten, Planung & Förderung

22. Februar 202616 Min. Lesezeit

Was macht eine Küche barrierefrei?

Eine barrierefreie Küche ermöglicht selbstständiges Kochen und Arbeiten -- auch bei eingeschränkter Beweglichkeit, im Rollstuhl oder mit Gehhilfen. Es geht nicht um ein spezielles Design, sondern um durchdachte Anpassungen: die richtige Arbeitshöhe, genügend Bewegungsraum und Geräte, die sich sicher bedienen lassen.

Dabei unterscheidet die DIN 18040-2 zwei Stufen:

  • Barrierefrei (Grundstufe): Für Senioren, Personen mit Gehhilfen oder vorübergehender Einschränkung. Bewegungsfläche 120 x 120 cm, Türbreite 80 cm.
  • Uneingeschränkt rollstuhlgerecht (Stufe R): Für Rollstuhlfahrer. Bewegungsfläche 150 x 150 cm, Türbreite 90 cm, vollständige Unterfahrbarkeit von Herd, Spüle und Arbeitsplatte.

Der Unterschied ist erheblich -- in der Planung, bei den Kosten und bei der Förderung. In diesem Ratgeber erfahren Sie, welche Stufe für Ihre Situation sinnvoll ist und wie Sie den Umbau konkret angehen.

Altersgerecht oder rollstuhlgerecht?

Nicht jede barrierefreie Küche muss rollstuhlgerecht sein. Wenn Sie oder Ihre Angehörigen noch gehen können (auch mit Rollator), reicht oft eine altersgerechte Anpassung. Die ist deutlich günstiger und einfacher umzusetzen.

AspektAltersgerechtRollstuhlgerecht (Stufe R)
ZielgruppeSenioren, Rollator, VorsorgeDauerhafte Rollstuhlnutzung
Bewegungsfläche120 x 120 cm150 x 150 cm
Türbreite80 cm90 cm
UnterfahrbarkeitTeilweise, optionalVollständig (Herd, Spüle, Arbeitsplatte)
Arbeitshöhe85 -- 95 cm (stehend)82 cm (sitzend), höhenverstellbar empfohlen
OberschränkeMax. 160 cm UnterkanteElektrisch absenkbar, max. 140 cm Unterkante
KüchenanordnungNebeneinander (kurze Wege)Über Eck (minimale Fahrbewegungen)
SchranktürenSchwingtüren möglichSchiebe- oder Falttüren
Kosten-Mehraufwand+10 -- 20 %+20 -- 50 %

Faustregel: Wer heute noch steht und für die nächsten 10 -- 15 Jahre vorsorgt, fährt mit einer altersgerechten Küche gut. Wer dauerhaft im Rollstuhl sitzt oder Pflegegrad 3 -- 5 hat, braucht die Stufe R.

DIN 18040-2: Welche Maße gelten?

Die DIN 18040-2 regelt die Mindestanforderungen an barrierefreie Wohnungen in Deutschland. Für die Küche sind folgende Maße verbindlich:

Bewegungsflächen

NutzergruppeMindestbewegungsflächeTiefe vor Küchenzeile
Barrierefrei (Gehhilfen, Senioren)120 x 120 cm120 cm
Rollstuhlgerecht (Stufe R)150 x 150 cm150 cm

Der Wendekreis eines Standardrollstuhls beträgt 150 cm im Durchmesser. Dieser Kreis muss frei bleiben -- Tisch, Stühle und offene Schranktüren dürfen nicht im Weg stehen.

Arbeitshöhen und Unterfahrbarkeit

ElementArbeitshöhe (sitzend)Lichte UnterfahrhöheUnterfahrtiefe
Arbeitsplatte82 cmmind. 67 cm, besser 69 cmmind. 55 cm
Kochfeldmax. 80 cm67 cm55 cm
Spüle80 cm67 cm55 cm
Esstisch72 -- 78 cm60 cm80 cm Breite

Erreichbarkeit und Greifzonen

ZoneHöheGeeignet für
Untere Greifzone40 -- 70 cmSchubladen, untere Schränke
Optimale Greifzone (sitzend)70 -- 120 cmArbeitsfläche, Herd, Armatur
Obere Greifzone120 -- 140 cmOberschränke (Unterkante max.)
Nicht erreichbar im Rollstuhlüber 140 cmNur mit Liftsystem zugänglich

Weitere Norm-Anforderungen

  • Steckdosen und Schalter: 85 -- 120 cm Höhe
  • Bodenbelag: Rutschhemmend mindestens R 9 (Empfehlung R 10), rollstuhltauglich, nicht elektrostatisch aufladend
  • Beleuchtung: Blendfrei, Arbeitsflächen mind. 500 Lux, Einzelschalter auf Greifhöhe
  • Kontraste: Boden, Möbelfronten und Arbeitsplatte kontrastreich gestalten (Kontrastwert mind. 0,4 nach DIN 32975)

Die wichtigsten Maßnahmen im Detail

Unterfahrbare Arbeitsflächen

Das Herzstück einer rollstuhlgerechten Küche. Der Unterschrank unter Arbeitsplatte, Spüle und Kochfeld wird entfernt oder durch offene Regale ersetzt, damit der Rollstuhl heranfahren kann.

Wichtig bei der Spüle: Ein Standard-Siphon blockiert die Beinfreiheit. Sie brauchen zwingend einen Flachaufputz- oder Unterputzsiphon. Viele Handwerker vergessen dieses Detail -- bestehen Sie darauf.

Höhenverstellbare Arbeitsplatten

Elektrisch verstellbare Arbeitsplatten passen sich per Knopfdruck an: 70 cm für Sitzarbeit, 95 cm für Steharbeit. Das ist die komfortabelste Lösung, wenn mehrere Personen mit unterschiedlicher Körpergröße die Küche nutzen -- oder wenn sich die Mobilität im Laufe der Zeit verändert.

Führende Systeme:

  • Granberg BASELIFT 6300/6310: Elektrisch, 59 -- 100 cm Breite, bis zu 5 Jahre Garantie
  • Granberg MANULIFT 6350/6380: Manuell, deutlich günstiger, stufenweise verstellbar
  • Ropox: Elektrisch mit App-Steuerung und automatischem Sicherheitsstopp

Auffahrschutz ist Pflicht: Bei elektrischen Systemen muss ein Sensor die Absenkung bei Kontakt sofort stoppen. Alle genannten Hersteller haben diesen Schutz serienmäßig eingebaut.

Absenkbare Oberschränke

Standard-Oberschränke hängen 50 cm oder mehr über der Arbeitsplatte. Für Rollstuhlfahrer (Sitzposition ca. 120 cm) sind sie unerreichbar.

Lösungen:

  • Granberg Verti 840: Senkt den Schrankinhalt auf Arbeitsplattenhöhe
  • Granberg InDIAGO 510: Bogenförmige Absenkung mit automatischer Türöffnung
  • Alternative: Oberschränke weglassen und Stauraum in Unterschrank-Schubladen verlagern

Kochfeld und Herd

  • Induktion statt Gas oder Ceran: Die Oberfläche bleibt kühl, das Brandrisiko sinkt deutlich
  • Drehknebel statt Touchscreen: Sensorflächen sind bei eingeschränkter Handmotorik, Handprothesen oder Handschuhen schlecht bedienbar
  • Bedienelemente oben oder vorne: Nicht hinter dem Kochfeld, wo man sich verbrennen kann
  • Hitzebeständige Abstellfläche: Direkt neben dem Kochfeld, ohne Übergreifen erreichbar

Backofen

Einer der am häufigsten vergessenen Punkte. Der Backofen sitzt standardmäßig unter dem Kochfeld -- tief gebückt, schwer zugänglich, gefährlich bei heißen Blechen.

Lösung: Backofen separat in Arbeitshöhe (60 -- 80 cm) einbauen. Optimal mit seitlich öffnender Tür oder als Schubladenbackofen, damit die Fronttür nicht den Rollstuhl blockiert.

Spülmaschine

Auch die Spülmaschine profitiert von einer erhöhten Position. Auf einem 30 -- 40 cm hohen Sockel eingebaut, entfällt das tiefe Bücken beim Ein- und Ausräumen.

Boden und Beleuchtung

  • Bodenbelag: Rutschhemmend (R 10), fest verlegt, keine losen Matten oder Teppiche (Stolper- und Kippgefahr)
  • Allgemeinbeleuchtung: Diffus und blendfrei, mindestens 300 Lux
  • Arbeitsflächen: Unterbaulichter unter allen Oberschränken, 500 Lux, einzeln schaltbar
  • Schalter: Beleuchtet, auf 85 -- 100 cm Höhe, nicht hinter Türen

Was kostet eine barrierefreie Küche 2026?

Einzelmaßnahmen mit Preisen

MaßnahmeKosten (inkl. Einbau)
Ergonomische Griffleisten (Bügel/Stangen, Set)100 -- 400 Euro
Einhebelmischbatterie mit Temperaturbegrenzer255 -- 500 Euro
LED-Unterbaubeleuchtung (professionell verkabelt)300 -- 800 Euro
Unterfahrbare Spüle mit Flachsiphon500 -- 1.500 Euro
Erhöhte Spülmaschine (Umbau + Gerät)500 -- 1.500 Euro
Unterfahrbares Induktionskochfeld800 -- 2.000 Euro
Backofen in Arbeitshöhe einbauen800 -- 2.000 Euro
Absenkbarer Oberschrank (elektrisch, pro Meter)800 -- 2.000 Euro/m
Rutschfester Bodenbelag R 10 (pro m²)20 -- 60 Euro/m²
Steckdosen umsetzen (je Steckdose)100 -- 300 Euro
Höhenverstellbare Arbeitsplatte (elektrisch)2.000 -- 5.000 Euro

Komplett-Lösungen: Vom Basis-Paket bis zur Neuküche

VarianteKostenWas ist enthalten?
Basis-Nachrüstung1.500 -- 3.000 EuroGriffe, Beleuchtung, Armatur, Griffanpassung
Mittlere Anpassung3.000 -- 8.000 EuroUnterfahrbare Spüle, Boden, Steckdosen, Armatur
Umfassende Modernisierung8.000 -- 20.000 EuroHöhenverstellbare Arbeitsplatte, Gerätetausch, Grundrissanpassung
Neuküche barrierefrei (Einstieg)10.000 -- 20.000 EuroKomplettküche mit barrierefreier Ausstattung
Neuküche barrierefrei (Mittelklasse)20.000 -- 40.000 EuroMit Granberg/Ropox-Liftsystemen und Markengeräten
Premium-Vollausstattung40.000 -- 60.000+ EuroMaßanfertigung, alle elektrischen Liftsysteme

Zum Vergleich: Eine normale Einbauküche kostet in Deutschland 2026 je nach Ausstattung zwischen 3.000 und 50.000 Euro. Die barrierefreie Variante liegt im Durchschnitt 20 -- 40 % darüber, bei Liftsystemen auch 50 % und mehr.

Was treibt die Kosten?

  1. Elektrische Liftsysteme (Arbeitsplatten, Oberschränke) -- der Hauptkostenfaktor, kein Standardsortiment bei großen Herstellern
  2. Maßanfertigung: Barrierefreie Küchen brauchen oft individuelle Zuschnitte
  3. Fachhandwerker: Spezialisierte Montage durch Küchenspezialist, Elektriker und ggf. Klempner
  4. Flachsiphon: Pflichtaustausch bei unterfahrbarer Spüle, oft mit Rohrarbeiten verbunden

Nachrüst-Lösungen ohne Komplett-Umbau

Nicht jeder kann oder will 15.000 Euro investieren. Viele Verbesserungen lassen sich schrittweise umsetzen -- manche sogar ohne Handwerker.

Sofort machbar (ohne Handwerker)

MaßnahmeKostenWirkung
Ergonomische Griffleisten (Bügel-/Stangengriffe)50 -- 200 EuroBessere Greifbarkeit, weniger Kraftaufwand
LED-Unterbaulichter (Klebemontage)30 -- 150 EuroSofort bessere Arbeitsflächenbeleuchtung
Rollcontainer (mobiler Unterschrank)100 -- 500 EuroFlexibler Stauraum, fahrbar, variabel
Rutschfeste Einlegeböden für Schränke20 -- 80 EuroVerhindert Verrutschen von Geschirr
Griffhilfen für Armaturen20 -- 80 EuroFür eingeschränkte Handkraft
Anti-Rutsch-Unterlagen für Geräte10 -- 30 EuroStabilisierung bei Einhandbedienung

Mit Handwerker (mittlerer Aufwand)

MaßnahmeKostenWirkung
Steckdosen höher setzen (85 -- 100 cm)100 -- 300 Euro/Stk.Kein Bücken nötig
Spülmaschine erhöht einbauen500 -- 1.200 EuroKein tiefes Bücken beim Ein-/Ausräumen
Backofen auf Arbeitshöhe versetzen800 -- 2.000 EuroSicherer Zugriff, kein Bücken
Schranktüren durch Rollos/Schiebetüren ersetzen500 -- 1.500 EuroKeine Kollision mit Rollstuhl/Rollator
Flache Spüle einbauen300 -- 800 EuroWeniger Rückenbelastung

Für den Spezialisten (größere Einzelmaßnahmen)

MaßnahmeKostenWirkung
Arbeitsplatte unterfahrbar machen (feste Höhe)1.500 -- 3.000 EuroRollstuhl kommt heran
Unterfahrbare Spüle komplett (inkl. Flachsiphon)800 -- 2.000 EuroVollständige Unterfahrbarkeit
Manuell höhenverstellbare Arbeitsplatte2.000 -- 3.500 EuroGünstiger als elektrisch, stufenweise
Elektrisch absenkbarer Oberschrank (1 Einheit)1.500 -- 3.000 EuroGreifbarkeit ohne Strecken

Förderung 2026: Was wird bezuschusst?

Wichtig vorab: KfW 455-B ist eingestellt

Das KfW-Zuschussprogramm 455-B (Barrierereduzierung) wurde zum 01.01.2025 beendet. Es sind keine Anträge mehr möglich. Viele Websites nennen diesen Zuschuss noch -- die Information ist veraltet. Eine detaillierte Übersicht aller aktuellen Förderprogramme finden Sie in unserem Förder-Ratgeber.

Was 2026 noch geht

FörderprogrammStatusMaximalbetragVoraussetzung
KfW 159 (Kredit)Aktiv50.000 Euro pro WohneinheitAlle Eigentümer und Mieter
Pflegekasse § 40 SGB XIAktiv4.180 Euro pro PersonPflegegrad 1 -- 5
Steuerbonus § 35a EStGAktiv1.200 Euro/JahrKein Pflegegrad nötig
LandesförderungenVariiert1.000 -- 30.000 EuroJe nach Bundesland

Pflegekasse: 4.180 Euro pro Person

Der wichtigste Posten für die meisten Familien. Bei anerkanntem Pflegegrad (1 -- 5) zahlt die Pflegekasse bis zu 4.180 Euro als Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Ein Küchenumbau, der die Selbstständigkeit erhält oder die Pflege erleichtert, ist explizit förderfähig.

Bei mehreren Pflegebedürftigen im Haushalt:

  • 2 Personen: bis 8.360 Euro
  • 3 Personen: bis 12.540 Euro
  • 4 Personen: bis 16.720 Euro (Maximum)

Antrag unbedingt vor Baubeginn stellen. Wer vorher baut, verliert den Anspruch. Eine Stellungnahme der Wohnberatungsstelle oder des MDK stärkt den Antrag.

KfW 159: Zinsgünstiger Kredit bis 50.000 Euro

Kein Zuschuss, aber ein günstiger Kredit. Geeignet für größere Umbauten, bei denen der Eigenanteil nach Abzug der Pflegekasse noch hoch ist. Der Antrag läuft über Ihre Hausbank -- ebenfalls vor Baubeginn.

Küchen sind als Teil des Standards "Altersgerechtes Haus" explizit förderfähig.

Steuerbonus: 20 % der Lohnkosten zurück

Unabhängig von Pflegegrad oder Einkommen können Sie 20 % der Handwerker-Lohnkosten (nicht Material) steuerlich absetzen -- maximal 1.200 Euro pro Jahr (entspricht 6.000 Euro Lohnkostenanteil). Voraussetzung: Die Rechnung weist Lohn und Material getrennt aus, die Zahlung erfolgt per Überweisung.

Landesförderungen

Mehrere Bundesländer haben eigene Zuschussprogramme. Besonders aktiv sind Bayern, NRW, Hessen, Brandenburg und Thüringen. Die Bedingungen und Beträge variieren stark. Eine Übersicht nach Bundesland finden Sie auf unserer Förderungsseite.

Beispielrechnung: 15.000-Euro-Küchenumbau mit Förderung

Ein konkretes Rechenbeispiel für eine umfassende Modernisierung (höhenverstellbare Arbeitsplatte, unterfahrbare Spüle, erhöhter Backofen, neuer Boden, Beleuchtung):

PositionBetrag
Gesamtkosten Umbau15.000 Euro
Abzüge:
Pflegekasse § 40 (1 Person, Pflegegrad 2)- 4.180 Euro
Steuerbonus § 35a (20 % von ca. 4.000 Euro Lohnkosten)- 800 Euro
Eigenanteil10.020 Euro
Optional: KfW 159 (Kredit für den Rest)10.020 Euro
Eigenkapital nötig (mit KfW-Kredit)0 Euro

In diesem Beispiel reduziert die Förderung den Eigenanteil um rund ein Drittel. Mit dem KfW-Kredit ist kein Eigenkapital nötig -- der Kredit muss aber zurückgezahlt werden (zinsgünstig).

Pflegekasse und Steuerbonus sind kombinierbar. Der KfW-Kredit kann den verbleibenden Eigenanteil abdecken. Alle drei Programme lassen sich parallel nutzen.

Planung: Worauf Sie achten müssen

Das barrierefreie Arbeitsdreieck

Klassisch verbindet das Arbeitsdreieck Kühlschrank, Spüle und Herd mit maximal 1 -- 2 Metern Abstand. Für Rollstuhlnutzer gilt: Über-Eck-Anordnung statt nebeneinander. So wechseln Sie mit einer Drehbewegung zwischen den Stationen, ohne vor- und zurückzufahren.

Ideale Reihenfolge entlang der Küchenzeile:

  1. Kühlschrank (am Eingang, Greifhöhe 95 -- 135 cm)
  2. Freie Arbeitsfläche (Vorbereitung)
  3. Spüle (Waschen)
  4. Arbeitsplatte (Schneiden) -- über Eck
  5. Kochfeld (Kochen)
  6. Abstellfläche (heiße Töpfe abstellen, hitzebeständig)

Grundrissform

  • L-Form: Optimal für Rollstuhl, gute Arbeitswege
  • U-Form: Sehr gut, wenn der Raum groß genug ist (mind. 8 m²)
  • Einzeilig: Nur mit offener Rückseite sinnvoll (mind. 150 cm Freiraum davor)
  • Zweizeilig (Galley): Nicht geeignet für Rollstuhl -- zwischen den Zeilen fehlt der Wendekreis

Greifzonen konsequent nutzen

Lagern Sie alles, was täglich gebraucht wird, in der optimalen Greifzone (70 -- 120 cm). Schwere Töpfe in Unterschrank-Schubladen auf Hüfthöhe, nicht im Oberschrank. Selten genutzte Dinge dürfen höher oder tiefer stehen.

Bedienelemente richtig wählen

ElementEmpfehlungGrund
ArmaturEinhebel mit Temperaturbegrenzer (max. 45 Grad)Verbrühungsschutz, einfache Bedienung
KochfeldInduktion mit DrehknebelnTouchscreen bei Motorik-Einschränkung ungeeignet
BackofenSeitlich öffnend oder SchubladeFronttür blockiert Rollstuhl
SchranktürenSchiebe-, Falt- oder RolladentürenSchwingtüren kollidieren mit Rollstuhl
SchubladenVollauszüge mit Soft-CloseKompletter Zugriff auf Inhalt
KühlschrankFrench-Door oder StandmodellBessere Erreichbarkeit als Einbau-Kombi

Hersteller und Spezialisten

Granberg (Bielefeld)

Weltweit führend bei höhenverstellbaren Küchensystemen, seit 1960. Produziert Arbeitsplatten-Lifte (BASELIFT-Serie), Oberschrank-Lifte (Verti, InDIAGO) und Insellösungen (CENTERLIFT). Bis zu 5 Jahre Garantie. Keine öffentlichen Listenpreise -- Angebote über den Fachhandel.

Ropox (Dänemark, Vertrieb Deutschland)

Barrierefreie Küchensysteme mit manueller und elektrischer Höhenverstellung. Besonderheit: App-Steuerung für Arbeitsplatten und automatischer Sicherheitsstopp bei Widerstand.

Hummel Küchenwerk (Hamburg)

Der bekannteste spezialisierte Küchenhändler für barrierefreie Küchen in Deutschland. Seit 1917, ca. 100 Mitarbeiter. Kooperiert mit Granberg und Ropox für Liftsysteme. Bietet Komplettservice: Beratung, Planung, Montage, Entsorgung. Partner von "Barrierefrei Leben e.V." Hamburg -- dort gibt es eine Musterküche zur Besichtigung.

Standard-Küchenhersteller

Nobilia, Häcker und Nolte bieten keine eigenen barrierefreien Systeme an. Sie können aber Liftsysteme von Granberg oder Ropox integrieren lassen. Die Beratungskompetenz variiert stark -- fragen Sie gezielt nach DIN-18040-2-Erfahrung.

Empfehlung: Für eine rollstuhlgerechte Küche wählen Sie ein spezialisiertes Küchenstudio oder ein Architekturbüro mit Barrierefreiheits-Kompetenz. Standard-Küchenstudios haben oft keine ausreichenden Normkenntnisse. Finden Sie Spezialisten in Ihrer Nähe.

10 häufige Fehler vermeiden

1. Zu wenig Bewegungsfläche

Die DIN-Norm fordert 150 x 150 cm für Rollstuhl. Viele Küchen haben diese Fläche nicht, wenn Tisch und Möbel stehen. Zeichnen Sie den Wendekreis (150 cm Durchmesser) im Grundriss ein, bevor Sie die Küche bestellen.

2. Standard-Siphon bei unterfahrbarer Spüle

Ein normaler Siphon blockiert die Beinfreiheit unter der Spüle. Ohne Flachsiphon ist die Spüle zwar offiziell unterfahrbar, praktisch aber nicht nutzbar. Spezifizieren Sie den Flachsiphon in der Bestellung.

3. Zweizeilige Anordnung für Rollstuhlnutzer

Zwischen zwei Küchenzeilen fehlt der Wenderaum. Rollstuhlfahrer müssen ständig vor- und zurückfahren. Wählen Sie L- oder U-Form.

4. Touchscreen-Kochfeld

Moderne Sensorflächen sind bei eingeschränkter Handmotorik schlecht oder gar nicht bedienbar. Physische Drehknebel oder Taster sind sicherer und zuverlässiger.

5. Oberschränke zu hoch

Standard-Oberschränke sind für Rollstuhlfahrer unerreichbar. Entweder tiefer hängen (max. 140 cm Unterkante), elektrisch absenkbar nachrüsten, oder ganz weglassen und Stauraum in Schubladen verlagern.

6. Zu wenig Licht

Die Sehleistung nimmt im Alter ab. Eine einzige Deckenlampe reicht nicht. Planen Sie Unterbaulichter unter allen Oberschränken als Standard ein -- 500 Lux an der Arbeitsfläche.

7. Planung ohne Fachberater

Selbst viele Küchenstudios kennen die DIN 18040-2 nicht ausreichend. Eine teure Küche, die die Norm nicht erfüllt, gefährdet auch die Förderfähigkeit. Holen Sie eine spezialisierte Wohnberatungsstelle hinzu -- die Beratung durch VdK oder Sozialverband ist oft kostenlos.

8. Umbau vor Förderantrag

Wer baut, bevor der Antrag genehmigt ist, verliert den Förderanspruch. Pflegekasse und KfW zahlen nur, wenn der Antrag vor Baubeginn gestellt wurde. Reihenfolge: Beraten lassen, Antrag stellen, Genehmigung abwarten, dann bauen.

9. Schwingtüren an Unterschränken

Schranktüren, die nach außen schwingen, blockieren Rollstuhl und Rollator. Ersetzen Sie sie durch Schiebe-, Falttüren oder Rollladenfronten.

10. Backofen unter dem Kochfeld

Der meistübersehene Punkt. Ein Backofen auf Bodenniveau ist gefährlich und mühsam. Bauen Sie ihn separat in Arbeitshöhe ein, mit seitlich öffnender Tür.

Checkliste: Barrierefreie Küche planen

Grundvoraussetzungen

  • Bewegungsfläche 120 x 120 cm (barrierefrei) oder 150 x 150 cm (rollstuhlgerecht) frei gehalten
  • Türbreite mindestens 80 cm (barrierefrei) oder 90 cm (rollstuhlgerecht)
  • Keine Schwellen am Kücheneingang (max. 2 cm)
  • Bodenbelag rutschhemmend R 10, fest verlegt

Arbeitsflächen und Geräte

  • Arbeitsplatte unterfahrbar (Höhe 82 cm, Unterfahrhöhe mind. 67 cm) oder höhenverstellbar
  • Spüle unterfahrbar mit Flachsiphon
  • Kochfeld: Induktion mit Drehknebeln, Bedienung vorne/oben
  • Backofen separat in Arbeitshöhe, seitlich öffnend
  • Spülmaschine erhöht eingebaut
  • Kühlschrank: Greifhöhe beachten (95 -- 135 cm)
  • Hitzebeständige Abstellfläche neben dem Kochfeld

Oberschränke und Stauraum

  • Oberschränke max. 140 cm Unterkante (oder absenkbar)
  • Vollauszüge in allen Unterschränken
  • Schiebe-, Falt- oder Rolladentüren statt Schwingtüren
  • Alltägliches in optimaler Greifzone (70 -- 120 cm) gelagert

Sicherheit und Bedienung

  • Einhebelmischbatterie mit Temperaturbegrenzer (max. 45 Grad)
  • Steckdosen und Schalter auf 85 -- 120 cm Höhe
  • Auffahrschutz bei höhenverstellbaren Elementen
  • Ecken und Kanten abgerundet
  • Keine losen Matten oder Teppiche

Beleuchtung und Kontraste

  • Allgemeinbeleuchtung mind. 300 Lux, blendfrei
  • Unterbaulichter an Arbeitsflächen, 500 Lux
  • Schalter beleuchtet, auf Greifhöhe
  • Möbelfronten kontrastreich zu Arbeitsplatte und Boden

Förderung und Planung

  • Pflegegrad beantragt bzw. vorhanden (für Pflegekasse-Zuschuss)
  • Förderanträge gestellt vor Baubeginn (Pflegekasse, KfW 159)
  • Landesförderung geprüft (Übersicht nach Bundesland)
  • Mindestens 3 Angebote von spezialisierten Fachbetrieben eingeholt
  • Wohnberatungsstelle oder Pflegestützpunkt kontaktiert

Nächste Schritte

  1. Förderung prüfen: Welche Zuschüsse und Kredite stehen Ihnen zu? Prüfen Sie auch die Landesförderung in Ihrem Bundesland.
  2. Beratung holen: Kontaktieren Sie Ihre Wohnberatungsstelle oder den VdK -- die Beratung ist in der Regel kostenlos.
  3. Angebote einholen: Finden Sie spezialisierte Fachbetriebe in Ihrer Nähe und vergleichen Sie mindestens drei Angebote. Achten Sie auf DIN-18040-2-Erfahrung.
  4. Anträge stellen: Pflegekasse und KfW 159 immer vor Baubeginn beantragen.
  5. Schrittweise umbauen: Wenn das Budget knapp ist, starten Sie mit den Nachrüst-Lösungen aus der Tabelle oben und ergänzen Sie nach und nach.

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