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Umbau & Planung

Türverbreiterung: Kosten, Methoden & Förderung 2026

22. Februar 20269 Min. Lesezeit

Warum Türverbreiterung so wichtig ist

Rund 80 % der vor 1990 gebauten Wohngebäude in Deutschland haben Innentüren mit nur 70 bis 75 cm lichter Breite. Für einen handelsüblichen Faltrollstuhl (65 bis 70 cm breit) bleibt dabei praktisch kein Spielraum. Rollatornutzer, Pflegende mit Rollstuhl und Menschen nach einem Schlaganfall scheitern täglich an zu schmalen Türen in der eigenen Wohnung.

In Deutschland leben über 5 Millionen Menschen mit einer schweren Behinderung, rund 800.000 nutzen einen Rollstuhl. Die Zahl der Pflegebedürftigen lag 2023 bei 5,6 Millionen und wird bis 2040 auf geschätzte 6,5 bis 7 Millionen steigen. Gleichzeitig sind circa 96 % der Bestandswohnungen nicht barrierefrei. Die Türverbreiterung ist damit eine der häufigsten und wirkungsvollsten Einzelmaßnahmen beim barrierefreien Umbau.

DIN 18040-2: Mindestbreiten und Anforderungen

Die Norm DIN 18040-2 regelt barrierefreies Bauen in Wohnungen und unterscheidet zwei Kategorien:

KategorieMindest-TürbreiteGeeignet für
Barrierefrei80 cm lichte BreiteRollator, Gehhilfen, eingeschränkte Mobilität
Rollstuhlgerecht (R)90 cm lichte BreiteManuelle und elektrische Rollstühle

Lichte Breite vs. Rohbaumaß

Ein häufiges Missverständnis: Die lichte Breite ist das tatsächlich nutzbare Durchgangsmaß, gemessen zwischen Türblatt und Rahmen an der engsten Stelle. Das Rohbaumaß ist die Wandöffnung, in die Zarge und Türblatt eingebaut werden.

Faustregel:

  • 80 cm lichte Breite erfordert ca. 91 cm Rohbauöffnung
  • 90 cm lichte Breite erfordert ca. 101 cm Rohbauöffnung

Wer das Mauerwerk nur auf 85 cm öffnet, erreicht am Ende etwa 74 cm lichte Breite und verfehlt die Norm.

Weitere DIN-Anforderungen

AnforderungMaß
Lichte Höhemind. 205 cm
Türdrücker-Höhe85 cm (Achsmaß)
Türschwellemax. 1 cm (angestrebt: Nullschwelle)
Seitlicher Anfahrbereich neben Drückermind. 50 cm
Wendefläche vor der Tür (Rollstuhl)150 x 150 cm

Badezimmertüren müssen nach DIN 18040-2 nach außen aufschlagen oder als Schiebetür ausgeführt sein. Der Grund: Wenn eine Person im Bad stürzt und vor der Tür liegt, lässt sich eine nach innen öffnende Tür nicht öffnen.

Vier Methoden im Vergleich

1. Wandöffnung vergrößern (Sturzverbreiterung)

Die Maueröffnung wird physisch vergrößert, ein neuer Sturz eingebaut und eine breitere Zarge mit Türblatt montiert. Diese Methode ist der Standard, wenn die aktuelle Öffnung deutlich zu schmal ist.

Bei nicht-tragender Wand (Leichtbau, Gipskarton): Ständerwerk wird seitlich aufgeschnitten, auf neue Breite versetzt, Gipskarton beidseitig geschlossen. Dauer: 1 bis 2 Werktage.

Bei tragender Wand (Mauerwerk, Beton): Ein Statiker berechnet den neuen Sturz, temporäre Stützen werden installiert, das Mauerwerk wird abgestemmt oder diamantgebohrt, ein Stahlträger eingesetzt. Dauer: 3 bis 5 Werktage. In einigen Bundesländern ist eine Baugenehmigung erforderlich.

2. Zargenverkleinerung (Falzzargen)

Die Maueröffnung bleibt gleich. Stattdessen wird die Zarge durch eine schmalere Ausführung ersetzt. Spezielle Falzzargen oder Offset-Zargen bringen 2 bis 5 cm mehr lichte Breite. Ideal, wenn nur wenige Zentimeter fehlen, etwa von 75 auf 80 cm. Dauer: ein halber Werktag.

3. Schiebetür

Die Drehtür wird durch eine Schiebetür ersetzt. Varianten sind die außenbündige Wandschiebetür (einfacher Einbau) und die in die Wand einlaufende Schiebetür (aufwändiger, aber platzsparender). Vorteile: bis zu 10 cm mehr lichte Breite ohne Mauerarbeiten, kein Schwungradius nötig, ideal für enge Flure und Badezimmer. Nachteile: weniger schalldicht, schwerer zu bedienen bei eingeschränkter Handkraft.

4. Falttür und Raumspartür

Falttüren bestehen aus 2 bis 4 Segmenten und brauchen beim Öffnen deutlich weniger Platz. Die lichte Breite steigt bei gleicher Öffnung um 5 bis 8 cm. Raumspartüren haben zweiteilige Türblätter, die sich zusammenfalten. Sie sind eine gute Lösung, wenn weder Wandverbreiterung noch Schiebetür möglich sind.

Kosten im Detail

Kosten nach Wandtyp

MaßnahmeLeichtbauwandMauerwerkBeton
Türverbreiterung (Öffnung + Zarge + Türblatt)ab 400 €ab 650 €ab 595 €
Schiebetür einbauenab 595 €ab 945 €ab 790 €
Raumspartür mit Aluminiumzargeab 1.540 €ab 1.540 €ab 1.540 €

Tragende Wand: Spezialfall

Bei tragenden Wänden entstehen erhebliche Mehrkosten durch Statiker, Stahlträger und höheren Arbeitsaufwand:

PositionKosten
Statiker-Gutachten200 - 500 €
Stahlträger (Material)300 - 800 €
Stützmaßnahmen (Lehrgerüst)150 - 400 €
Erhöhter Handwerkeraufwandca. 30 - 50 % Aufschlag
Gesamtkosten tragende Wand1.500 - 3.000 € pro Tür

Zusatzkosten

LeistungKosten
Türanschlag ändernab 110 €
Türschwelle beseitigenab 140 €
Türschwellen-Überfahrt (Rampe)ab 250 €
Türschließer einbauenab 65 €
Elektrischer Schiebetürantriebab 3.520 €

Kostenbeispiel: Badtür auf 90 cm (Mauerwerk, nicht-tragend)

PositionKosten
Öffnung vergrößern inkl. Sturzca. 750 €
Neue barrierefreie Tür 90 cm mit Zargeca. 400 - 600 €
Türschwelle beseitigenca. 140 €
Verputzen und streichenca. 150 - 250 €
Gesamtca. 1.440 - 1.740 €

Dauer und Ablauf

WandtypBauzeitAushärtung
Leichtbauwand1 - 2 Tage1 - 2 Tage
Nicht-tragende Mauerwerkswand2 - 3 Tage3 - 5 Tage
Tragende Wand3 - 5 Tage (+ 1-3 Wochen Planung)5 - 7 Tage

Gesamtdauer von Entscheidung bis fertige Tür: Realistisch 2 bis 4 Monate, wenn Förderantrag, Handwerkersuche und Wartezeiten eingerechnet werden. Die reine Bauzeit beträgt bei den meisten Türen nur 1 bis 3 Tage.

Förderung: Bis zu 4.180 Euro Zuschuss

Pflegekasse (§ 40 SGB XI)

Türverbreiterungen werden als wohnumfeldverbessernde Maßnahme gefördert. Seit Januar 2025 beträgt der Zuschuss bis zu 4.180 Euro pro Maßnahme.

Voraussetzungen:

  • Pflegegrad 1 bis 5
  • Die Maßnahme erleichtert die häusliche Pflege oder verbessert die Selbstständigkeit
  • Antrag muss vor Baubeginn gestellt und genehmigt sein

Bei mehreren Pflegebedürftigen im Haushalt steigt der Zuschuss: bis zu 8.360 Euro bei zwei Personen, bis zu 16.720 Euro bei vier Personen. Der Zuschuss ist keine einmalige Leistung. Bei neuen Maßnahmen oder verschlechterter Pflegesituation kann erneut beantragt werden.

Ausführliche Informationen zum Antrag finden Sie in unserem Ratgeber Förderung barrierefreier Umbau.

KfW-Kredit 159

Der zinsgünstige Kredit "Altersgerecht Umbauen" bietet bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit bei ca. 2,35 % effektivem Jahreszins. Der KfW-Zuschuss 455-B ist seit Februar 2025 nicht mehr beantragbar. Der Kredit wird über die Hausbank beantragt und ist mit dem Pflegekassen-Zuschuss kombinierbar.

Steuerliche Absetzbarkeit (§ 35a EStG)

20 % der Lohnkosten (nicht Material) sind direkt von der Steuerschuld abziehbar. Maximum: 1.200 Euro pro Jahr. Voraussetzung: Rechnung mit separat ausgewiesenen Lohnkosten und Zahlung per Überweisung. Der Steuerbonus gilt nur für den Eigenanteil, den die Pflegekasse nicht erstattet hat.

Landesförderungen

Einige Bundesländer bieten zusätzliche Programme. Auf unserer Förderungsseite finden Sie eine Übersicht nach Bundesland.

Mieter vs. Eigentümer

Rechte als Mieter

Nach § 554 BGB haben Mieter mit Behinderung oder Pflegebedarf ein gesetzliches Recht auf barrierefreien Umbau. Der Vermieter muss zustimmen, wenn ein berechtigtes Interesse vorliegt. Die Kosten trägt der Mieter (Pflegekasse-Zuschuss ist nutzbar). Der Vermieter darf eine Zusatzkaution für den Rückbau verlangen.

Vorgehen: Antrag schriftlich per Einschreiben an den Vermieter stellen, Kostenvoranschlag beifügen, schriftliche Zustimmung abwarten. Bei Ablehnung eine Wohnberatungsstelle oder den Mieterverein kontaktieren.

Eigentümer

Wohnungseigentümer brauchen für Innentüren keine Genehmigung. Ausnahmen: Gemeinschaftseigentum in einer WEG und Gebäude unter Denkmalschutz.

6 häufige Fehler vermeiden

1. Förderantrag nach dem Umbau stellen

Der häufigste und teuerste Fehler. Die Pflegekasse erstattet keine Maßnahmen, die vor der Genehmigung begonnen wurden. Immer zuerst den Antrag stellen.

2. Rohbaumaß mit lichter Breite verwechseln

Wer das Mauerwerk nur auf 82 cm öffnet, erreicht am Ende etwa 71 cm lichte Breite. Immer die Maßkette durchrechnen: Rohbauöffnung minus Zarge minus Türblatt ergibt lichte Breite.

3. Tragende Wand ohne Statiker öffnen

Tragende Wände ohne Statiker zu öffnen ist gefährlich und kann das gesamte Gebäude gefährden. Das Statiker-Gutachten kostet 200 bis 500 Euro und ist bei tragenden Wänden zwingend notwendig.

4. Türöffnungsrichtung im Bad vergessen

Badezimmertüren müssen nach DIN 18040-2 nach außen aufschlagen oder als Schiebetür ausgeführt sein. Wer das nicht berücksichtigt, baut im schlimmsten Fall zweimal.

5. Elektrische Installationen nicht eingeplant

Bei Öffnungsverbreiterungen müssen Lichtschalter und Steckdosen oft versetzt werden. Den Elektriker rechtzeitig einplanen, sonst entstehen Doppelkosten.

6. Keinen Fachbetrieb gewählt

Barrierefreie Umbauten haben spezifische Anforderungen. Ein allgemeiner Trockenbauer kennt DIN 18040-2 möglicherweise nicht. Auf barrierefrei-profis.de finden Sie Fachbetriebe mit Erfahrung im barrierefreien Umbau.

Häufige Fragen

Was kostet eine Türverbreiterung?

Je nach Wandtyp ab 400 Euro (Leichtbauwand) bis 3.000 Euro (tragende Wand). Eine typische Türverbreiterung in nicht-tragender Mauerwerkswand liegt bei 650 bis 1.200 Euro inklusive neuer Zarge und Türblatt.

Wie breit muss eine barrierefreie Tür sein?

Mindestens 80 cm lichte Breite (barrierefrei nach DIN 18040-2) oder 90 cm (rollstuhlgerecht). Die lichte Breite ist das tatsächlich nutzbare Durchgangsmaß, nicht das Rohbaumaß.

Wird die Türverbreiterung von der Pflegekasse bezahlt?

Bei vorhandenem Pflegegrad (1 bis 5) bezuschusst die Pflegekasse Türverbreiterungen mit bis zu 4.180 Euro als wohnumfeldverbessernde Maßnahme. Der Antrag muss vor Baubeginn gestellt werden.

Wie lange dauert eine Türverbreiterung?

Die reine Bauzeit beträgt 1 bis 3 Tage bei nicht-tragenden Wänden und 3 bis 5 Tage bei tragenden Wänden. Hinzu kommen Aushärtungszeiten für Putz und Spachtel.

Brauche ich eine Baugenehmigung?

Bei nicht-tragenden Wänden in der Regel nicht. Bei tragenden Wänden ist in einigen Bundesländern eine Genehmigung erforderlich. Ein Statiker-Gutachten ist bei tragenden Wänden immer Pflicht.

Ist eine Schiebetür eine Alternative zur Wandverbreiterung?

Ja. Schiebetüren gewinnen bis zu 10 cm lichte Breite ohne Mauerarbeiten und sind besonders für enge Flure und Badezimmer geeignet. Kosten: ab 595 Euro.

Wie finde ich einen Fachbetrieb?

Auf barrierefrei-profis.de finden Sie über 3.400 spezialisierte Fachbetriebe in ganz Deutschland. Filtern Sie nach Spezialisierung "Türen" und Ihrem Standort.

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