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Treppenlift: Kosten, Typen, Förderung & Einbau 2026

22. Februar 20269 Min. Lesezeit

Wann ein Treppenlift sinnvoll ist

Treppen sind das häufigste Hindernis in deutschen Wohnhäusern. Sobald das Treppensteigen zur täglichen Anstrengung oder zum Sturzrisiko wird — sei es durch Alter, Krankheit oder Behinderung — steht eine Entscheidung an: Umziehen oder Treppe barrierefrei machen.

Ein Treppenlift ist in den meisten Fällen die schnellste und günstigste Lösung. Er wird direkt an der vorhandenen Treppe montiert, braucht keinen Umbau und ist innerhalb eines Tages eingebaut. Mit Pflegekasse-Zuschuss sinken die Kosten für einen geraden Sitzlift oft auf unter 1.000 Euro Eigenanteil.

Dieser Ratgeber erklärt, welche Treppenlift-Typen es gibt, was sie kosten, welche Förderung Sie nutzen können und worauf Sie beim Einbau achten müssen. Sie überlegen noch, ob ein Treppenlift oder ein Aufzug die bessere Lösung ist? Dann lesen Sie unseren Vergleich Treppenlift vs. Aufzug.

Die 4 Treppenlift-Typen im Vergleich

1. Sitzlift — der Klassiker

Der Sitzlift ist der häufigste Treppenlift in Privathaushalten. Sie setzen sich auf einen gepolsterten Sitz, betätigen den Hebel und fahren die Treppe hoch oder runter. Armlehnen und Fußstütze klappen automatisch aus.

Geeignet für: Personen, die noch sitzen und aufstehen können Montage: Schiene wird an Treppenstufen oder Wand befestigt Platzbedarf: Sitz und Fußstütze klappen hoch — die Treppe bleibt für andere Personen begehbar

VarianteKosten (neu, inkl. Einbau)
Gerade Treppe, 1 Etage3.500 – 5.500 €
Kurventreppe, 1 Etage7.500 – 15.000 €
Außentreppe5.000 – 9.000 €

Kurventreppen sind deutlich teurer, weil die Schiene individuell gebogen werden muss. Bei geraden Treppen kommt eine Standardschiene zum Einsatz.

2. Stehlift — für eingeschränkte Knie oder Hüfte

Der Stehlift funktioniert wie ein Sitzlift, nur ohne Sitz. Sie stehen auf einer kleinen Plattform und halten sich an Griffen fest. Das ist die richtige Wahl, wenn Hinsetzen oder Aufstehen schwerfällt — zum Beispiel bei Knie- oder Hüftproblemen.

Geeignet für: Personen, die stehen können, aber Probleme beim Setzen/Aufstehen haben Platzbedarf: Schmaler als ein Sitzlift Kosten: 4.000 – 12.000 € (gerade Treppe), 8.000 – 16.000 € (Kurventreppe)

3. Plattformlift — für Rollstuhlfahrer

Der Plattformlift hat eine ebene Plattform, auf die Sie mit dem Rollstuhl auffahren. Klappbare Auffahrrampen und Sicherheitsbügel gehören zur Standardausstattung.

Geeignet für: Rollstuhlfahrer, Personen mit Rollator Platzbedarf: Braucht mehr Platz als ein Sitzlift — Mindestbreite der Treppe ca. 90 cm Kosten: 9.000 – 18.000 € (gerade), 15.000 – 25.000 € (Kurventreppe)

Der Plattformlift ist die teuerste Variante, aber für Rollstuhlfahrer oft die einzige Möglichkeit, im eigenen Haus zu bleiben.

4. Hublift — die Alternative zum Treppenlift

Ein Hublift überwindet Höhenunterschiede vertikal — wie ein kleiner Aufzug ohne Schacht. Er wird nicht an der Treppe montiert, sondern neben ihr oder am Hauseingang. Typisch sind Hubhöhen von 1 bis 3 Metern.

Geeignet für: Eingangsbereiche, Terrassen, halbe Stockwerke Platzbedarf: Standfläche neben der Treppe nötig (ca. 1 × 1,5 m) Kosten: 7.000 – 14.000 € (je nach Hubhöhe)

Hublifte sind besonders sinnvoll am Hauseingang, wenn eine Rampe zu lang wäre oder kein Platz dafür ist.

Was kostet ein Treppenlift? Preisübersicht 2026

Die Kosten hängen vor allem von zwei Faktoren ab: dem Treppenverlauf (gerade oder kurvig) und dem Lifttyp.

LifttypGerade TreppeKurventreppeGebraucht (gerade)
Sitzlift3.500 – 5.500 €7.500 – 15.000 €2.000 – 3.800 €
Stehlift4.000 – 12.000 €8.000 – 16.000 €kaum Angebot
Plattformlift9.000 – 18.000 €15.000 – 25.000 €6.000 – 12.000 €
Hublift7.000 – 14.000 €4.500 – 9.500 €

Alle Preise verstehen sich inklusive Einbau. Die Montage allein kostet 500 bis 2.000 Euro, wenn sie separat berechnet wird.

Warum Kurventreppen so viel teurer sind

Bei einer geraden Treppe wird eine Standard-Aluminiumschiene verwendet. Die Schiene wird auf Länge zugeschnitten — fertig.

Bei einer Kurventreppe muss die Schiene nach Maß gebogen werden. Dafür vermisst ein Techniker die Treppe, und die Schiene wird in der Fabrik individuell gefertigt. Allein die Schiene kostet bei Kurventreppen 3.000 bis 8.000 Euro mehr.

Laufende Kosten

Nach dem Einbau fallen nur geringe laufende Kosten an:

  • Strom: 5 – 15 € pro Jahr (Treppenlift verbraucht sehr wenig)
  • Wartung: 100 – 200 € pro Jahr (empfohlen, bei manchen Herstellern im ersten Jahr inklusive)
  • Reparaturen: selten in den ersten 5 – 10 Jahren

Gebrauchte Treppenlifte — lohnt sich das?

Bei geraden Treppen können Sie mit einem gebrauchten Sitzlift bis zu 50 % sparen. Der Lift wird generalüberholt und mit einer neuen Standardschiene geliefert.

Bei Kurventreppen lohnt sich gebraucht meistens nicht. Die Schiene muss trotzdem neu gefertigt werden, weil jede Kurventreppe anders verläuft. Die Ersparnis liegt dann nur bei 10 bis 20 %.

Wichtig: Der Pflegekasse-Zuschuss (4.180 €) gilt auch für gebrauchte Treppenlifte. Aber der Antrag muss zwingend vor dem Kauf gestellt werden.

Förderung: Bis zu 4.180 € Zuschuss von der Pflegekasse

Pflegekasse — die wichtigste Förderquelle

Ab Pflegegrad 1 haben Sie Anspruch auf einen Zuschuss für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Ein Treppenlift fällt darunter.

  • Zuschuss: bis 4.180 € pro Person
  • Bei mehreren Pflegebedürftigen im Haushalt: bis 4 × 4.180 € = 16.720 €
  • Eigenanteil: Die Pflegekasse übernimmt den Zuschuss, den Rest zahlen Sie selbst
  • Voraussetzung: Pflegegrad 1 oder höher (auch Pflegegrad 1 reicht)

Der häufigste Fehler: Den Treppenlift kaufen und dann den Zuschuss beantragen. Das funktioniert nicht. Der Antrag muss vor dem Kauf bei der Pflegekasse eingehen. Erst nach Genehmigung bestellen.

So beantragen Sie den Zuschuss:

  1. Pflegegrad beantragen (falls noch nicht vorhanden) — über die Krankenkasse
  2. Kostenvoranschlag vom Treppenlift-Anbieter einholen
  3. Antrag auf wohnumfeldverbessernde Maßnahmen bei der Pflegekasse stellen
  4. Genehmigung abwarten
  5. Treppenlift bestellen und einbauen lassen
  6. Rechnung bei der Pflegekasse einreichen

KfW-Kredit 159 — Altersgerecht Umbauen

Die KfW bietet einen zinsgünstigen Kredit für barrierefreie Umbauten:

  • Kredit: bis 50.000 € pro Wohneinheit
  • Zinssatz: ca. 2,3 – 2,8 % effektiv (Stand 2026)
  • Laufzeit: bis 30 Jahre, tilgungsfrei Anlaufphase möglich

Hinweis: Das KfW-Zuschussprogramm 455-B (Investitionszuschuss ohne Rückzahlung) ist seit Januar 2025 eingestellt. Eine Neuauflage ist im Bundeshaushalt mit 50 Mio. € vorgesehen, aber es gibt noch keinen festen Starttermin. Alle aktuellen Fördermöglichkeiten im Detail finden Sie in unserem Ratgeber Förderung barrierefreier Umbau.

Steuerliche Absetzbarkeit

Treppenlift-Kosten können Sie in der Steuererklärung geltend machen:

Als außergewöhnliche Belastung (§ 33 EStG):

  • Voraussetzung: ärztliches Attest über die medizinische Notwendigkeit
  • Absetzbar: Gesamtkosten abzüglich der zumutbaren Eigenbelastung (1 – 7 % des Einkommens)
  • Pflegekasse-Zuschuss wird gegengerechnet

Als Handwerkerleistung (§ 35a EStG):

  • 20 % der Lohnkosten absetzbar (nicht Materialkosten)
  • Maximale Steuerersparnis: 1.200 € pro Jahr
  • Nicht kombinierbar mit § 33 für dieselben Kosten

Tipp: Lassen Sie sich auf der Rechnung Material- und Lohnkosten getrennt ausweisen. So können Sie die Handwerkerleistung optimal absetzen.

Einbau-Voraussetzungen: Passt ein Treppenlift in mein Haus?

Mindestbreite der Treppe

  • Sitzlift: Mindestbreite 70 cm (empfohlen: 80 cm)
  • Plattformlift: Mindestbreite ca. 90 cm
  • Nach Einbau (hochgeklappt): mindestens 60 cm Restdurchgang für andere Personen

Bei sehr schmalen Treppen gibt es Sitzlifte mit besonders schmaler Bauweise (z. B. Handicare 1100 mit nur 34 cm Schienenbreite).

Stromanschluss

Eine normale 230-Volt-Steckdose in der Nähe der Treppe genügt. Der Treppenlift hat einen eingebauten Akku, der über die Steckdose geladen wird. Bei Stromausfall fährt der Lift mit Akkustrom weiter — das ist bei allen modernen Modellen Standard.

Genehmigung und Normen

  • In Privathäusern: Keine Baugenehmigung nötig. Der Einbau ist eine bauliche Veränderung, die Sie als Eigentümer frei vornehmen können.
  • In Mietwohnungen: Der Vermieter muss zustimmen. Nach § 554 BGB hat der Mieter grundsätzlich Anspruch auf barrierefreie Umbauten — die Kosten trägt aber der Mieter.
  • In Eigentümergemeinschaften: Seit der WEG-Reform 2020 haben Eigentümer Anspruch auf Genehmigung barrierefreier Umbauten (§ 20 Abs. 2 WEG). Die Gemeinschaft darf es nicht verbieten, kann aber eine fachgerechte Ausführung verlangen.

Sicherheitsnormen

Alle in Deutschland verkauften Treppenlifte müssen die DIN EN 81-40 erfüllen. Diese europäische Norm regelt Sicherheitsanforderungen für Treppenschrägaufzüge und Plattformaufzüge. CE-Kennzeichnung ist Pflicht.

Achten Sie beim Kauf darauf, dass der Anbieter die CE-Konformität nachweisen kann. Seriöse Hersteller tun das standardmäßig.

Hersteller und Anbieter in Deutschland

AnbieterTypBesonderheit
HIRO Lift (Bielefeld)HerstellerÄltester dt. Hersteller (>125 Jahre), eigene Fertigung
Lifta (Köln)VertriebMarktführer mit >230.000 installierten Liften, 400+ Standorte
TK Home SolutionsHerstellerEhemals ThyssenKrupp Accessibility, weltweites Netz
HandicareHerstellerSpezialist für schmale Treppen und Außenlifte
SanimedVertriebDeutschlandweite Beratung, herstellerunabhängig

Empfehlung: Holen Sie mindestens 3 Angebote ein. Die Preisunterschiede zwischen Anbietern können bei gleichem Lifttyp mehrere tausend Euro betragen. Achten Sie darauf, dass Montage, Wartung im ersten Jahr und Garantie im Preis enthalten sind. Auf barrierefrei-profis.de finden Sie spezialisierte Treppenlift-Fachbetriebe in Ihrer Nähe.

Häufige Fragen zum Treppenlift

Was kostet ein Treppenlift für eine gerade Treppe?

Ein Sitzlift für eine gerade Treppe über eine Etage kostet 3.500 bis 5.500 Euro inklusive Einbau. Nach Abzug des Pflegekasse-Zuschusses von 4.180 Euro liegt der Eigenanteil oft unter 1.000 Euro.

Wie lange dauert der Einbau?

Bei einer geraden Treppe ist der Einbau in 2 bis 4 Stunden erledigt. Bei Kurventreppen dauert die Fertigung der Schiene 4 bis 6 Wochen — der Einbau selbst dann ebenfalls nur wenige Stunden.

Kann ich den Treppenlift später wieder ausbauen?

Ja. Seriöse Anbieter bieten einen Rückbau an. Die Bohrlöcher in den Stufen können verspachtelt werden. Manche Anbieter kaufen gebrauchte Lifte auch zurück.

Brauche ich einen Pflegegrad für die Förderung?

Ja, der Pflegekasse-Zuschuss setzt mindestens Pflegegrad 1 voraus. Ohne Pflegegrad können Sie den Treppenlift aber steuerlich absetzen oder den KfW-Kredit 159 nutzen.

Lohnt sich ein gebrauchter Treppenlift?

Bei geraden Treppen ja — Sie sparen bis zu 50 %. Bei Kurventreppen kaum, weil die Schiene trotzdem neu gefertigt werden muss. Der Pflegekasse-Zuschuss gilt auch für gebrauchte Lifte.

Wie laut ist ein Treppenlift?

Moderne Treppenlifte sind sehr leise — vergleichbar mit einem leisen Kühlschrank. Sie stören weder im Wohnraum noch bei Nachbarn.

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